Freilichtmuseum Pfahlbau Museum
    Pfahlbauten Weltkulturerbe
Hier klicken für weitere Details
Suche         Facebook-Fan werden Folge uns auf Twitter Folge uns auf Instagram Folge uns auf Google+  
   
     
Öffnungszeiten & Preise
Anfahrt
Infos für Familien
Infos zur Barrierefreiheit
Infos für Lehrer & Schulen
Infos für Reisegruppen
Presse-Infos / Medienbeiträge
Reservierungen/Anfragen
Links
Impressum

Medien Beiträge über die Pfahlbauten



30.07.2007: Ötzi-Clan ist zurück in der Steinzeit

Zum Museumsfest in den Unteruhldinger Pfahlbauten kehren die Zeitreisenden der ARD-Serie zurück in die Steinzeit. Eine Woche lang erzählen sie den Besuchern von ihren Erlebnissen. Eine Sonderausstellung zur Fernsehproduktion wird ergänzt durch die Kinderfilme, die vier Sendungen für Erwachsene zeigt Museumsdirektor Gunter Schöbel nicht. Ihnen steht er inzwischen aus wissenschaftlicher Sicht kritisch gegenüber. Der komplette Ötzi-Clan aus der ARD-Fernsehserie "Steinzeit - Das Experiment" lebt für eine Woche in seinem alten Dorf, das im Unteruhldinger Pfahlbaumuseum wieder erstand.

Die 13 Zeitreisenden sind zurück in der Steinzeit. Seit gestern leben die sieben Erwachsenen und sechs Kinder aus der ARD-Produktion "Steinzeit - Das Experiment" in ihren alten Hütten der Dreharbeiten, die als Teil des Unteruhldinger Pfahlbaumuseums wieder aufgebaut wurden. Während des Museumsfestes an diesem Wochenende sowie bis kommenden Samstag töpfert und drischt der Ötzi-Clan vor Publikum. Und erzählt von seinen Abenteuern in der Jungsteinzeit.

Das ist dann doch nicht ganz so extrem wie in den verregneten ersten Wochen des Experimentes bei Weingarten im Sommer 2006. Einerseits wegen der Erfahrung: "Wir haben so kochen gelernt, dass das inzwischen gut schmeckt", sind sich Britta Matthes und Claudia Burberg einig. Andererseits: "Das habe ich mir immer gewünscht", sagt Martin Burberg, "Steinzeit light mit Brille und Bier".

Hier, im Museum für Vor- und Frühgeschichte, hatten sie sich einst auf die Filmproduktion vorbereitet. Das wissenschaftliche Team um Museumsdirektor Gunter Schöbel war bei der SWR-Produktion maßgeblich beratend tätig, sorgte für die originalgetreue Ausstattung und brachte den Zeitreisenden die nötigen Grundfertigkeiten bei.

Den wissenschaftlichen Anspruch von "Steinzeit - Das Experiment" lobt Schöbel weiterhin. Die experimentelle Archäologie klärte so manche Frage. Beispielsweise die seitlichen Lochreihen in den "Horgener Töpfen": Jetzt ist klar, dass sie weder zum Aufhängen noch zur Zierde waren. So kocht die Erbsensuppe nicht über. Was aus dem Experiment indes am Schneidetisch wurde, ist etwas anderes. Den vier Hauptfilmen für ein erwachsenes Zielpublikum steht er nach der Ausstrahlung aus wissenschaftlicher Sicht distanziert gegenüber. "Sie gehorchen einer Dramaturgie, die Quote erzeugen muss", sagt der Archäologe. Während die Erwachsenenformate auf den Effekt ausgerichtet sind, kommen die drei Kinderfilme, die im Mai und Juni parallel ausgestrahlt wurden, sachlich und informativ daher. Schöbel: "Sie sind natürlicher und direkter." Deshalb laufen nur sie im Museumskino. Auch in den Kreisbildstellen werden ab kommender Woche lediglich diese Kindersendungen auszuleihen sein. "Sie sind nicht nur besser, sie lassen sich auch besser in den Schulunterricht integrieren."

Man müsse sich einfach vor Augen führen, sagt Schöbel, Fernsehen sei nicht der Endpunkt der wissenschaftlichen Darstellung, sondern "lediglich eine Episode in unserem museumspädagogischen Auftrag, aber eine sehr, sehr hilfreiche." Während die Besucher des Pfahlbaumuseums noch vor 20 Jahren Grundkenntnisse über die Vor- und Frühgeschichte mitbrachten, fehlten diese heute völlig. Außer bei Schweizer Schülern. "In Deutschland setzen die Lehrpläne andere Schwerpunkte. Und die vier Hauptfilme vermittelten rund 11,5 Millionen Zuschauern Basiswissen und machten neugierig auf mehr Steinzeit. Fast genauso viele Menschen besuchten bisher die rekonstruierten Pfahlbauten am Bodensee - in den 85 Jahren ihres Bestehens. Zehn bis 20 Prozent der derzeitigen Besucher kennen die Filme. Die am 22.Mai eröffnete Sonderausstellung mit den originalen Requisiten aus dem Experiment wird in kommende Woche den 100000-sten Besucher anziehen. Schöbel: "Wir erfüllen als Vereinsmuseum unseren Bildungsauftrag ohne die Staatskasse zu belasten und entwickeln den Film in unserem regionalen Kultur- und Wissenschaftsauftrag zur Pfahlbauarchäologie fort. Bei uns geht die Steinzeit weiter, wir können anknüpfen, wo die Filme aufgehört haben."

Wie das aussieht, ist beim Museumsfest und in der kommenden Woche bei Familie Ötzi zu sehen, zu hören und zu riechen. Und es wird erklärt, warum im Film manches nicht geklappt hat. Die Fachleute zeigen dem Clan wie auch den Besuchern, wie Getreide richtig entspelzt wird, wie das Dach dicht bleib und wie man Einbaum fährt. "Wir gehen natürlich nicht bei Sturmwarnung auf den Bodensee, wie das bei den Dreharbeiten der Fall war", lacht Archäologe Schöbel, "aber für einen spannenden Fernsehfilm muss das halt sein."

Martin Baur
Südkurier, 30.07.2007
    Museumsfest Pfahlbauten


 
Datenschutz   Impressum