Freilichtmuseum Pfahlbau Museum
    Pfahlbauten Weltkulturerbe
Hier klicken für weitere Details
Suche         Facebook-Fan werden Folge uns auf Twitter Folge uns auf Instagram Folge uns auf Google+  
   
     
Öffnungszeiten & Preise
Anfahrt
Infos für Familien
Infos zur Barrierefreiheit
Infos für Lehrer & Schulen
Infos für Reisegruppen
Presse-Infos / Medienbeiträge
Reservierungen/Anfragen
Links
Impressum

Medien Beiträge über die Pfahlbauten



03.06.2007: Feuersteine klopfen ist nicht alles
Live-Experiment: Ranga Yogeshwar macht Feuer


Ein heißer Mittwoch morgen im Studio 6B in Baden-Baden. Die [W] wie Wissen-Villa ist steinzeitlich ausgeschmückt. Die Requisite hat dabei ganze Arbeit geleistet: viele große Steine, steinzeitliche Malerei und Weidenbüschel an den Wänden. Und auf dem Boden haben die Requisiteure eine Grabstätte von Ötzi nachgebildet mit Werkzeugen und Utensilien aus dem Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen.

Mit Feuereifer schildert Ranga Yogeshwar der Regisseurin Birgit Quastenberg, dem Kameramann Andreas Bein und dem Kamerateam, wie er sich die Szene mit dem Feuer entzünden vorstellt. Er wird vor laufender Kamera in der [W] wie Wissen-Villa in Steinzeit-Methode ein Feuer entfachen.

Über dieses Experiment wacht ein Feuerwehrmann der Betriebsfeuerwehr mit Argusaugen. Denn für die Feuermach-Aktion wurde die Sprinkleranlage ausgeschaltet. Eine kleine Rauchwolke würde nämlich gleich den Feueralarm auslösen und die Feuerwehr wäre in minutenschnelle im Studio. Aber das will an diesem Morgen keiner.

Niemand weiß jedoch, ob das Feuer-Experiment auf Anhieb klappt und vor allem, wie lange es dauert. Klaus Heblich, der verantwortliche Redakteur dieser Sendung möchte die Szene in voller Länge ohne Schnitt - egal was passiert. Ebenso Ranga Yogeshwar. Der ist guter Dinge: Feuer machen sei einfach, meint er.

Ob er wohl schon heimlich Wochen zuvor trainiert hat? Das Gros des Produktionsteams von Kamera- und Tonleuten ist skeptisch. Viele von Ihnen waren bei den Dreharbeiten von „Steinzeit – das Experiment“ mit dabei und hatten miterlebt wie schwierig es war – vor allem bei dem damals herrschenden Dauerregen – eine Flamme zu entfachen.

Nach kurzer Besprechung mit dem Kamerateam und Regisseurin wird die Moderationsszene mit der langsamen Kamerafahrt von der Steinzeit-Dekoration hin zum Podest, auf dem das Feuer-Experiment stattfinden soll, geprobt. Schließlich demonstriert Ranga kurz, was er dann an dem Podest alles machen wird.

Soweit ist alles klar. Der Aufnahmeleiter bittet um Ruhe. Es kann losgehen. Ranga kauert auf dem Boden vor der trapierten Steinzeit-Mumie. Die Regisseurin gibt das Zeichen zum Beginnen: ein lautes „Bitte...“ hallt durch das Studio. Stille. Ranga beginnt seine Moderation, in der Hand haltend ein Gefäß aus Birkenrinde. Hierin waren die Materialien, die Ötzi zum Feuer machen brauchte.

Ranga geht langsam zum Podest. Die Kamera folgt ihm auf ihrem beweglichen Wagen (Dolly) lautlos an den Ort des Experiments. Auf dem Podest - wieder fein säuberlich von der Requisite hergerichtet - die Utensilien für das Experiment. Es gibt drei wesentliche Hilfsmittel, um ein Feuer erfolgreich zu entfachen, erklärt Ranga.

Als erstes wäre da der Feuerstein – auch Flint genannt. Er besteht aus Siliciumdioxid und man kann ihn somit von seiner Beschaffenheit mit Glas vergleichen. Beim Feuer machen nutzt man dann die Eigenschaft, damit Funken zu erzeugen. Schlägt man zwei Feuersteinen aneinander, so erhält man tatsächlich helle Funken. Doch die verpuffen ziemlich schnell, ehe man reagieren kann.

Um langanhaltende Funken zu erzeugen, braucht man ein schwefelhaltiges Mineral. Hier kommt der zweite gräulich farbige und bröselig anmutende Stein zum Tragen, den Ranga in der linken Hand hält: nämlich Pyrit. Das heißt übersetzt ebenfalls Feuerstein, wird landläufig auch als „Schwefelkies" bezeichnet.

Doch dann muss der entstandene Funken noch am Glimmen gehalten werden. Der Funke soll auf das lederartige Material fallen, das Range nun demonstrativ der Kamera entgegenstreckt.

Wer den Ausdruck „Das brennt wie Zunder" kennt, kann jetzt erahnen, woher dieses geflügelte Wort ursprünglich stammt. Es kommt von dem Wort und auch dem Naturerzeugnis „Zunder". Dieses ockerfarbene Material, was teilweise Leder zum Verwechseln ähnlich aussieht und in einigen Länder auch als Lederersatz verwendet wurde, wird aus dem Zunderpilz gewonnen. Es ist das Fruchtfleisch dieses Baumpilzes, der an der Rinde alter Bäume herauszuwachsen scheint. Über Jahrtausende wurde Zunder in einer immer verfeinerten Form als Zündmittel verwendet.

Aber genug erklärt. Ranga beginnt, den Feuerstein heftig an den Pyriten zu schlagen. Das Licht wird gedämmt. Nach einer halben Minuten sind zwei große Funken sichtbar auf den Zunder gefallen. Die Funken glimmen auf dem Zunder weiter.

"Und jetzt halte ich..." setzt Ranga an... verstummt plötzlich. Legt hochkonzentriert ein Stückchen dieses Watte ähnlichen Materials auf einen der glimmenden Funken und beginnt bedacht zu blasen.

Es ist mucksmäuschenstill im Studio, das ganze Team hält den Atem an. Ranga stabilisiert den Zunder mit dem Pyrit und legt auf die Glimmstellen noch weiteres Material, das Baumwolle, sehr ähnlich sieht, aber doch keine ist.

Die Zeit scheint im Studio still zu stehen. Die Kamera versucht behutsam eine andere Postion einzunehmen, damit man besser erkennen kann, was sich zwischen dem Büschel Weidenblüten und Rangas Nase so tut. Ein zarter Rauch scheint aufzusteigen. „Gleich kommt's“ flüstert der Moderator und pustet noch ein wenig.

Das zwanzig köpfige Team klatscht begeistert Beifall. Die Szene ist im Kasten, keine Wiederholung. Es wird wieder laut. Das Team beginnt mit den Aufräumarbeiten. Der Requisiteur versucht nun sachte die Glut auf dem Zunder auszuklopfen, vom Feuerwehrmann beobachtet. Wasser helfe da nicht „Das kann so noch gute zwei Stunden klimmen“, meint er beim Ausklopfen.

Autor: Sebastian M. Krämer
Quelle: DasErste.de, 03.06.2007
    Feuer

Feuer machen

Feuer machen

Feuer machen

Feuer machen

Feuer machen

Feuer machen