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27.05.2007: Zurück in die Steinzeit


Für "Steinzeit - Das Experiment" hat der SWR zwei Familien das mühsame Leben vor 5000 Jahren nachstellen lassen. Die Zeitreise ins Pfahldorf ist für alle Beteiligten zur Grenzerfahrung geworden - vor allem, weil ständig was schief ging.

Immer geht es nur ums Essen. Was ist im Kühlschrank? Was kommt auf den Tisch? Gibt es danach noch was Süßes? Für die Familien Burberg und Junker-Matthes ist es im vergangenen Jahr auch ständig ums Essen gegangen. Allerdings musste niemand rätseln, wie lange der Supermarkt um die Ecke auf hat oder welches Joghurt bei der Riesenauswahl in der Tiefkühltruhe gekauft werden soll. Wichtig war nur eine Frage: Wie werden wir überhaupt richtig satt?

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"Living History" im TV

Die erste Folge der vierteilgen Doku "Steinzeit" läuft am Pfingstsonntag um 21.45 Uhr im Ersten, alle weiteren Episoden immer montags um 21 Uhr. Fürs junge Publikum sendet die ARD am Morgen des 26. und 28. Mai "Die Steinzeit-Kinder". Schwerpunkte zum Thema gibt es unter anderem in den SWR-Magazinen "Odysso" und "Planet Wissen" sowie bei "W wie Wissen" im Ersten (alle Sendezeiten unter www.swr.de/steinzeit). Noch mehr "Living History" gefällig? Das Erste wiederholt "Windstärke 8" ab 14. Juni dienstags bis freitags um 18.50 Uhr.

Zwei Monate haben sich sieben Erwachsene und sechs Kinder auf das Experiment eingelassen, in einem abgegrenzten Gebiet im Schwäbischen ein paar tausend Jahre zurück in der Zeit zu reisen und für eine sechsteilige SWR-Dokumentation so zu tun, als hätten sie gerade erst gelernt, Feuer zu machen. Zwei aus der Sippe sollten sogar ohne Ausrüstung die Alpen überqueren.

Fische für die Hauptmahlzeit fangen

Das war nicht weiter schwer, denn Feuer machen mussten die Steinzeit-Frischlinge vorher tatsächlich erst mühsam erlernen, weil vor 5000 Jahren eben noch keine Streichhölzer hergestellt wurden. Jetzt wissen sie: Feuersteine aneinander zu schlagen und damit ein Häufchen dünner Hölzer zu entzünden, ist manchmal eine Angelegenheit mehrerer Stunden. Und Fische für die Hauptmahlzeit zu fangen eine Aufgabe, die ungeübte Angler in den Wahnsinn treiben kann.

Die Idee ist nicht neu: Einen ersten Erfolg feierte der SWR vor fünf Jahren mit dem "Schwarzwaldhaus 1902", in dem eine Familie aus Berlin mit Ach und Krach völlig auf sich gestellt überwinterte. Danach ging es jedoch rapide bergab mit den so genannten "Living History"-Dokus - zumindest was die Qualität betrifft: Auf das "Leben im Gutshaus" folgte "Windstärke 8", für das die ARD gleich einen ganzen Dreimaster herrichten ließ, um eine Handvoll streitlustiger Pseudoauswanderer in einer wochenlangen Reise von Europa nach New York zu schicken (immerhin die Website dazu ist hervorragend geworden).

Mit der "Bräuteschule 1958" war dann Anfang des Jahres ein neuer Tiefpunkt erreicht: Statt anschaulicher Geschichtsvermittlung gab es im Girlscamp der 50er bloß Schülergezeter, Lehrergemecker und inszeniertes Tränenallerlei.

Ruhige Beobachtung des Geschehens

"Steinzeit - Das Experiment" ist erfreulicherweise anders. Anstatt die gezielte Eskalation vorzubereiten hat sich das Filmteam vor Ort einer ruhigen Beobachtung des Geschehens verschrieben - und selber lernen müssen, dass es sich trotz sorgfältiger Vorbereitung und Beratung durch Wissenschaftler längst nicht so autark experimentieren lässt, wie geplant.

Schon am ersten Tag der Zeitreise stellte sich heraus: Das Korn, dass die Neu-Steinzeitler zur Verfügung hatten, war zu fest, um es mahlen und Brot daraus backen zu können. Also schaffte das Team fertiges Mehl herbei. Nach zwei Wochen regnete es im nachgebauten Dorf so heftig, dass die Dächer der Pfahlbauten sich auflösten und behelfsmäßig mit Plastikplanen abgedeckt werden mussten, um die Familien nicht völlig durchnässt im Regen sitzen zu lassen. Und Schweine mit einem stumpfen Steinmesser zu schlachten, lässt nun mal das Tierschutzgesetz nicht zu.

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Aber das ist für die Dokumentation nicht weiter tragisch im Gegenteil: Eigentlich ist das Experiment vor allem dann besonders interessant, wenn etwas ganz anders gelaufen ist, als es das scheinbar perfekt vorbereitetet SWR-Team vorher geplant hatte.

Schaut her, wie gut es uns heute geht

Natürlich ist auch dieses Mal wieder die zentrale Botschaft: Schaut her, wie gut es uns heute doch geht mit unseren hübsch eingerichteten Wohnungen, Kühlschränken und der simplen Nahrungsbeschaffung. Außerdem versichern die Protagonisten am Ende des Experiments erwartungsgemäß, wie sehr sie die Zeit genossen haben, weil ihnen zum ersten Mal auffiel, mit welchen Überflüssigkeiten man sich sonst tagtäglich befasst, auf die es sich mühelos verzichten ließ.

Trotz aller Strapazen ist das, was der SWR seinen Familien abverlangt hat, freilich noch sorgsam und freundlich. Das ZDF zeigt ab übernächster Woche die Real-Life-Doku "Abenteuer in Arabien" - und hat seine Protagonisten dafür sogar sprichwörtlich in die Wüste geschickt. Was würde das Fernsehen bloß ohne seine grenzerfahrungswilligen Zuschauer machen?

Von Peer Schader, Der Stern 27.05.2005

    Freiwillig in die Steinzeit: Claudia (l.) und Olli meldeten sich für das TV-Experiment


 
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