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Medien Beiträge über die Pfahlbauten


18.03.09 Seewoche "Hautnah-Pfahlbauer im Winter"


Nachdem wir in der Seewoche vom Leben der Pfahlbauer im Winter und von Bärenjagden auf dem Bodenrück erzählt haben, fragen wir bei Dr. Gunter Schöbel noch einmal nach. Wissen wollten wir vom Archäologen, wie die Wissenschaftler denn so durch den Winter gekommen sind.

Seit März hat das Pfahlbaumuseum an den Wochenenden wieder geöffnet.

Was haben die wissenschaftlichen Mitarbeiter denn so den Winter über gemacht? Haben sie sich gelangweilt?

Nein, im Gegenteil. Die zweite Jahreshälfte gab Raum für die Verbesserung der Ausstellungen, die Aufarbeitung der Archive und Neukonzeption im pädagogischen und wissenschaftlichen Feld für die nächsten Jahre im Pfahlbaumuseum. Besonders eine neue Steinzeitwerkstatt mit Feldlabor für Schüler und Familien und unser großer Event im Mai zur Darstellung von living history/lebendiger Geschichte beschäftigte uns sehr. Daneben müssen unsere etwa 200.000 archäologischen Funde vom Bodensee im Hinblick auf Präsentationen zum Unesco Pfahlbauten Weltkulturerbe verzeichnet und zum Teil nachkonserviert werden.

Gunter Schöbel:  „Gerade arbeiten wir daran, Schulklassen die Gelegenheit zu geben, einen Tag im Fernsehdorf zu verbringen.“

In Ihrem Magazin und in den Ausstellungsvitrinen lagern wahre Schätze. Welcher ist der kostbarste Fund?

Den gibt es eigentlich für einen Archäologen nicht. Jedes Mosaiksteinchen und sei es noch so klein ist ihm wichtig für die Rekonstruktion vorgeschichtlicher Lebenswelten. Wichtig ist nur, dass der Einzelfund – und wenn es nur ein kleiner Kochen ist – in Kontext zu allen anderen Informationen gesehen werden kann. Die Geschichten, die an einen Fund gebunden werden können, sind wichtig. So können steinzeitliche Funde von Bier, Auerochs, Pferd oder Bär aus Unteruhldingen als kostbare Funde einer verzierten 3000 Jahre alten Holzflöte aus Hagnau gleich gestellt sein.

Die Fernseh-Doku „Steinzeit-das Experiment“ haben mehr als 30 Millionen Menschen gesehen. Steht das Fernsehdorf noch immer im Pfahlbaumuseum?

Ja, und es ist auch mit allen originalen Requisiten, von der Kleidung bis zur Ziegenherde sowie einer Sonderausstellung, welche die Erfahrungen der modernen Steinzeitmenschen zeigt, zu besichtigen. Gerade arbeiten wir auch daran, Schulklassen die Gelegenheit zu geben, dort einen Tag zu verbringen.

Die Fernsehfamilie ist ja längst wieder aus der Steinzeit ins 21. Jahrhundert zurückgekehrt.

Schauen die Familien noch einmal im Museum vorbei?

Wir stehen in ständigem Kontakt mit den Steinzeitfamilien, es sind Freunde geworden und wir erinnern uns oft gemeinsam an den großen Regen, die missglückten Experimente, aber vor allem auch an die Erfahrungen, die das Projekt für sie als Menschen der Jetztzeit und uns als Museum mit klassischer Aufgabenstellung gebracht haben. Eine ganze Reihe wissenschaftlicher Vorträge und Artikel sind im Nachgang zu den Filmen inzwischen im In- und Ausland entstanden. Es wird immer noch heftig in der Wissenschaft diskutiert.

Aus einem Waschkorb voller Bewerbungen suchen Sie gerade die Führer aus, die die Besucher in der kommenden Saison mit in die Steinzeit nehmen. Wie viele Jobs vergibt das Museum? Welche Qualifikationen brauchen Ihre Mitarbeiter?

Für den Dienst als Besucherführerin oder Besucherführer suchen wir wie jedes Jahr wieder 4 bis 6 Kräfte, die unseren Stamm an Angestellten ergänzen. Insgesamt sind etwas 35 von 55 Mitarbeitern in diesem nach außen betrachtet wichtigsten Bereich beschäftigt. Sie müssen natürlich ein Verständnis für Geschichte eine Begeisterung für die Vermittlung von Inhalten im direkten Umgang mit Menschen mitbringen.

Engagieren Sie auch wieder einen „Uhldi“, einen Mann aus der Steinzeit, der die Beesucher auf Zeitreise nimmt und ihnen zeigt wie Pfahlbauer Feuer machen oder Getreidebrei kochen?

Sicher machen wir das und der Bedarf ist inzwischen so groß, dass wir immer mehr Schwestern und Brüder für diese Aufgabe einsetzen müssen. Unsere Steinzeittrainer sollen in Zukunft noch mehr für die Arbeit mit Gruppen im Rahmen der Museumspädagogik und der Vorführungen zu Experimentellen Archäologie zu Verfügung stehen. Die Nachfrage nach „hands on“ Projekten ist gewaltig und erfüllt anscheinend das Bedürfnis unserer Zeit. Probleme bereitet uns aber immer wieder der Nachschub an echt steinzeitlichen Rohstoffen, die wir für die Projekte in großen Mengen brauchen. Zunderschwamm und Hirschgeweih, Pyrit und Feuerstein, sind eben nicht in jedem Supermarkt zu haben.

Gunter Schöbel : „Zunderschwamm und Hirschgeweih, Pyrit und Feuerstein sind eben nicht in jedem Supermarkt zu haben.“

Die Pfahlbausiedlungen am Bodensee wollen UNESCO Weltkulturerbe werden. Das Landesamt für Denkmalpflege bereitet gerade die Kandidatur vor. Wann wird eine Entscheidung fallen? Wie schnell könnte es gehen?

Der Antrag der Berner Bundesregierung, dem auch das Land Baden-Württemberg vor Weihnachten zugestimmt hat, liegt seit vergangenem Jahr auf der langen Liste der Unesco in Paris und besitzt gute Aussichten, akzeptiert zu werden. Unsere Pfahlbausiedlungen der Stein- und Bronzezeit am Überlinger See von Bodman bis Immenstaad sind in der Listenerfassung der Unterwasserobjekte zusammen mit den Siedlungsresten der Schweiz, Österreichs, Sloweniens, Italiens und Frankreich verzeichnet. Mit einer Entscheidung wird 2012 gerechnet. Für unser Museen in den 6 Ländern wird es dann darum gehen, mit unseren Möglichkeiten dieses Weltkulturerbe gegenüber der breiten Öffentlichkeit vorzustellen, da der originale Pfahlbau bei Hagnau, Nußdorf oder Uhldingen ja nicht unter Wasser besucht werden kann. Bis hier alles entschieden ist, restaurieren wir aber schon einmal vorsorglich unserer „Spitzenfunde“ aus den Pfahlbauten von Sipplingen bis Unteruhldingen, damit wir sie als Teil eines zukünftigen Weltkulturerbes in bestem Lichte und mit allen dazugehörigen Informationen zeigen können.


Waldtraud Kässer, Seewoche 18.03.09

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