Pfahlbau Museum Freilichtmuseum
    Pfahlbauten Weltkulturerbe
Hier klicken für weitere Details
Suche         Facebook-Fan werden Folge uns auf Twitter Folge uns auf Instagram Folge uns auf Google+  
Pfahlbauten Museum
   
     
Virtueller Rundgang
Ihr Pfahlbaubesuch
Steinzeitmann Uhldi
Die 16 häufigsten Fragen
Aktuelle Museums-Projekte
Lernort Pfahlbauten
Geschichte des Museums
Der Museumsverein
Impressionen
Forschungsinstitut

Die Modellwerkstatt des Forschungsinstitutes für Vor- und Frühgeschichte in Unteruhldingen


1919 am Urgeschichtlichen Forschungsinstitut Tübingen durch die Fertigung erster Hausmodelle im Seminar und auf den Federseeausgrabungen begonnen, erfolgte 1930 unter Hans Reinerth mit dem handwerklich geschickten Hausmeister des Schlosses Hohentübingen Christian Murr die Gründung der Modellwerkstatt für Vor- und Frühgeschichte. Aus kleinen Anfängen heraus entstanden, stattete sie bald Museumsausstellungen mit Nachbildungen von Pfahlbauhäusern und Geräten zur Stein- und Bronzezeit in Süddeutschland und der Schweiz aus.

Neben Unteruhldingen (1922, 1931, 1934, 1938) wurden auch Bad Buchau (1925,1928), Tübingen (1919-1930), Rorschach (1933), Steckborn (1937) in der Schweiz oder Vöcklabruck (1932) in Österreich mit Modellen bestückt. Der Tübinger Professor Robert Rudolf Schmidt, sein Assistent und später Privatdozent Hans Reinerth sowie Christian Murr als Modellbauer und Heinz Dürr als Fotograf zeichneten dafür in den ersten Jahren verantwortlich. 1935 wurde die Modellwerkstatt nach Berlin verlagert und wurde 1936 zur Modellwerkstatt des Reichsbundes für deutsche Vorgeschichte umbenannt. Eine Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das Reichsamt für Vorgeschichte forcierte den Ausbau zu einer führenden Lehrmittelproduktion im Bereich Vor- und Frühgeschichte. Gedeckt wurde der Bedarf an Lehrmitteln für Schulen und Museen, die nun alle unter den Vorzeichen der nationalsozialistischen Geschichtsvermittlung standen. Die Präsentation vorgeschichtlicher Kultur in Deutschland erfuhr unter dem Gedanken der „Verlebendigung der Vorzeit“ zugleich auch eine tief greifende Germanisierung.

Die Politisierung wissenschaftlicher Inhalte ermöglichte den Aufbau der Propagandaausstellung „Lebendige Vorzeit“, die in vielen großen Städten Deutschlands gezeigt wurde, die Gründung von Freilichtmuseen, den Aufbau von Museen, aber auch die fortfolgende Präparation von Bodenfunden durch Restauratoren und Modellbauer. 1938 wurde die Modellwerkstatt nach Unteruhldingen an den Bodensee verlegt. Ein Brand in den Werkstätten 1940 zwang zur Verlagerung in provisorische Räumlichkeiten vor Ort. Ein Verzeichnis aus dem Jahre 1942 notiert 478 Einzelpositionen, daneben Schulungsreihen und auf Wunsch auch kompletter Freilichtmuseen, die als „Erstrekonstruktionen“ vom Besteller in Auftrag gegeben werden konnten. Die Modellwerkstatt produzierte bis 1944 weiter und stellte ihre Arbeit mit dem Tod von Christian Murr nach dem Krieg am 28.April 1946 vorläufig ein. Von 1949 bis 1989 statteten wechselnde Zulieferer das Freilichtmuseum Unteruhldingen mit Bronzegeräten, Keramik, Knochen- und Hornwerkzeugen aus. Mitarbeiter der technischen Abteilung des Pfahlbaumuseums übernahmen die Werkstatt und waren seither für das Präparieren, Reparieren und Rekonstruieren der Fundnachbildungen und der noch bestehenden Freilichtmuseen zuständig. Obgleich in modernen Produktionsverfahren und experimentellen Versuchen weiter Modelle hergestellt wurden, nahm diese Tätigkeit des Forschungsinstitutes in Unteruhldingen mit den Jahren stetig ab und diente zuletzt nur noch der Ausstattung der bestehenden Freilichtanlage in Unteruhldingen. Ab 1990 erfolgte neben der hauseigenen Herstellung von Nachbildungen verstärkt die Einbindung von Experimentalarchäologen und Archäotechnikern, die die Bereiche Steinproduktion, Töpferei, Holzwerkzeuge, textile Produkte, Metall oder Architektur als Auftragsarbeiten wahrnahmen. Bis 1997 wuchs der Bestand an Nachbildungen um weitere 847 Positionen. Von 1997 bis 2007 konnten zusätzlich 1099 Positionen in den Bestand der Modellwerkstatt eingefügt werden. Gegenwärtig sind 2436 Kleinmodelle, im Wesentlichen Fundnachbildungen, verzeichnet, wobei der historische Bestand vor 1945 einschließlich der Nachbildungen für die Ausstellungen „Lebendige Vorzeit“ als museologischer Studienbestand magaziniert ist. Heute besteht die Modellwerkstatt aus der technischen Abteilung des Freilichtmuseums mit Ihren Werkstätten, dem wissenschaftlich-technischen Personal und den Archäologen des Forschungsinstitutes. Dieser für ein archäologisches Freilichtmuseum unverzichtbare Arbeitsbereich wird vornehmlich von Oktober bis März in der besucherschwachen Zeit mit der Instandhaltung und Entwicklung der Ausstellungsbereiche ausgeübt. Auch die Ausstattung der Schülerprojekte und der „Hands-on“ Aktivitäten im Museum, die vorwiegend im Sommerhalbjahr und begleitend zum Unterricht stattfinden, ist Teil der Aufgabe der Modellwerkstatt.